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Grundlagen der Unterwasserfotografie

Unterwasserfotografie ist technisch in ganz eigener Weise anspruchsvoll. Wasser absorbiert und streut Licht selektiv, frisst Rot zuerst und nimmt die Farben mit jedem zusätzlichen Meter weiter weg. Schwebepartikel werfen jedes künstliche Licht zurück, das in Richtung Motiv gerichtet ist. Das Motiv bewegt sich, man selbst bewegt sich, und die Tarierung beeinflusst jede Komposition. Wer diese Beschränkungen versteht – und die Ausrüstungs- und Technik­entscheidungen kennt, die sie umgehen –, hat das Fundament für Bilder, die ein Riff so zeigen, wie es ist.

Was Wasser mit Licht macht

Bei fünf Metern Tiefe sind die Rotwellenlängen fast vollständig absorbiert; ein Korallenstock, der für das Auge orange leuchtet, sieht im Umgebungslicht-Foto braun aus. Bei zehn Metern verschwindet das Gelb, ab fünfzehn Metern bleibt nur Blau und Grün. Es gibt zwei Wege zurück zur Farbe: künstliches Licht per Blitz oder ein roter Filter vorm Objektiv, der die Umgebung kompensiert. Filter sind günstig und arbeiten gut für Video zwischen fünf und fünfzehn Metern in klarem Tropenwasser. Sie versagen in der Tiefe, in trübem Wasser und bei zu schwachem Umgebungslicht. Für Standbilder ist der Blitz die universellere Lösung.

Blitze und künstliches Licht

Ein Unterwasserblitz – ein wassergedichtetes Blitzgerät, mit dem Gehäuse über einen Arm verbunden und per Glasfaser oder Kabel ausgelöst – stellt das volle sichtbare Spektrum auf alles wieder her, was er beleuchtet. Der entscheidende Punkt ist, den Blitz seitlich zu führen, nie koaxial mit dem Objektiv. Ein Blitz, der direkt nach vorn leuchtet, beleuchtet die gesamte Wassersäule zwischen Linse und Motiv – jeder Schwebepartikel wird zum weißen Punkt im Bild (Backscatter). Arme, die den Blitz fünfundvierzig bis neunzig Grad seitlich halten, vermeiden das fast vollständig.

Ein manueller Weißabgleich, gemessen auf eine weiße Tafel in Tauchtiefe, hilft Kameras zusätzlich, Farben in Umgebungslicht-Aufnahmen korrekt zu rendern. Viele Kompaktkameras haben eine Unterwasser-Voreinstellung, die diese Kompensation näherungsweise automatisch vornimmt.

Weitwinkel für Riffszenen

Die optischen Eigenschaften von Wasser – ungefähr 1,33-fach dichter als Luft – lassen Objekte unter Wasser rund fünfundzwanzig Prozent näher und größer erscheinen, als sie sind. Das Sichtfeld der meisten Objektive wird durch das Gehäuseport weiter eingeengt. Weitwinkel und Fischauge gleichen das aus und liefern das breite Sichtfeld, das für Riff-Landschaften und große Tiere bei kurzer Distanz nötig ist.

Das Tokina 10–17 mm Fischauge an Dome-Ports ist im APS-C-Format das beliebteste Riff-Weitwinkel. An Vollformat sind Canon 8–15 mm und Nikon 8–15 mm Fischaugen gleichwertig. Ziel beim Weitwinkel-Riffshooting: ganz nah ans Motiv – dreißig bis sechzig Zentimeter – damit der Vordergrund groß und scharf bleibt und das Riff im Hintergrund zurückweicht. Diese „Wide, Close, Shooting Up"-Technik produziert die dramatischsten Riffaufnahmen und ist außerdem die korallenschonendste: Wer sehr nah ans Motiv muss, kontrolliert die Tarierung präziser als jemand, der weiter weg bleibt.

Makro für Muck und Riffdetails

Makroobjektive – definiert durch ihre Fähigkeit zur 1:1-Abbildung – sind das Werkzeug für kleine Motive: Nudibranchien, Pygmäen-Seepferdchen, Putzergarnelen, Wirbellose im Riffschutt. Übliche Brennweiten unter Wasser sind 60 mm (höhere Vergrößerung bei kürzerem Arbeitsabstand, gut in klarem Wasser) und 100–105 mm (mehr Abstand, besser für scheue Motive). Bei Makrovergrößerung wird die Schärfentiefe in Millimetern gemessen. Eine drei Zentimeter lange Nudibranchie verlangt präzise Bildgestaltung, damit Rhinophoren und Kiemen gleichzeitig scharf sind. f/16 bis f/22 bei kurzem Blitzabstand kompensieren das.

GoPro oder Systemkamera

Eine GoPro im Standardgehäuse ist der günstigste Einstieg in Unterwasservideo und Weitwinkel-Fotografie. An der Oberfläche und in flachem, klarem Wasser ist die Bildqualität wirklich überzeugend. Limitierungen treten in der Tiefe (Farbverlust ohne Filter oder externen Blitz), bei wenig Umgebungslicht (Rauschen) und in jeder Situation auf, in der manuelle Kontrolle oder Makro­fähigkeit nötig ist. GoPros nehmen keine Wechselobjektive auf und feuern keine externen Blitze.

Ein dediziertes System – eine spiegellose Kamera mit Wechselobjektiv in einem maschinengefrästen Gehäuse – kostet das Zehn- bis Vierzigfache, gibt dafür aber manuelle Kontrolle, Blitzsynchronisation und die Wahl zwischen Weitwinkel- und Makro-Ports. Für die meisten Hobbytaucher reicht eine GoPro. Wer den vollen visuellen Reichtum eines Riffs zeigen will, kommt um ein dediziertes System nicht herum.

Die Nie-über-dem-Motiv-Regel

Die wichtigste Komposition- und gleichzeitig Schutzregel der Riffotografie ist: nie über dem Motiv positionieren, das man fotografiert. Aufnahmen von oben produzieren flache, einladungslose Bilder mit dem Riff als Hintergrund statt als Vordergrund. Wichtiger noch: Wer über einer Koralle schwebt, ist eine Tarierungs-Sekunde vom Kontakt entfernt. Korrekte Position: seitlich oder leicht unterhalb, nach oben fotografierend, mit offenem Wasser im Hintergrund. Das gibt dramatischen Negativraum, natürliche Lichtgradienten zur Oberfläche hin und eine kompositorische Tiefe, die Top-down nie erreicht. Und es hält die eigenen Flossen weg vom Riff.

Gehäusepflege zwischen Tauchgängen

O-Ring-Dichtungen verschleißen mit Salz, Sand und überschüssigem Silikonfett. Zwischen Tauchgängen das Gehäuse äußerlich gründlich in Süßwasser spülen. Vor jedem Tauchgang den O-Ring unter Lampenlicht prüfen, auf Haare, Sand oder Einschnitte achten und die dünnste sinnvolle Schicht Silikonfett auftragen. Nicht zu viel – überschüssiges Fett zieht Partikel an. Am Ende des Tages den O-Ring herausnehmen, spülen und getrennt vom Gehäuse lagern.

Fotografierte Riffe auf der Karte

Die in diesem Leitfaden beschriebenen Sites – von der Makro-Vielfalt der Lembeh-Straße bis zu den Weitwinkel-Wänden von Cozumel – sind auf der interaktiven Karte verzeichnet und durchsuchbar. Die Notizen zu jedem Site nennen die Fotoart, für die er sich am besten eignet.